Das Manifest des Manifestes

Ich fand schon das letzten Montag publizierte "Internet-Manifest" wirklich toll. (Siehe dazu auch hier.) Aber Stefan Niggemeiers Erläuterungen dazu haben mir fast noch besser gefallen. Highlights:

Wir sind nicht die Gegner der guten etablierten Medien, im Gegenteil. Wir schreien auf, weil wir die Sorge haben, dass viele von ihnen ihre Zukunft verspielen, wenn sie glauben, die Leser müssten zu ihnen kommen und nicht sie zu den Lesern. Wir sorgen uns um diese Medien, aus ganz eigennützigen Gründen, weil wir für sie arbeiten, und aus ganz anders eigennützigen Gründen, weil wir glauben, dass eine Gesellschaft auch in Zukunft guten Journalismus braucht.

Wenn ich tagein tagaus in diesem Blog die Medien kritisiere, dann tue ich das nicht, um Argumente gegen die Existenzberechtigung und Notwendigkeit dieser Medien zu sammeln, sondern im Gegenteil: Weil ich glaube, dass wir dringend Journalisten brauchen, die uns so wahrhaftig und transparent wie möglich informieren über das, was in der Welt passiert.

Also: Ja, unser „Manifest” steckt voller Selbstverständlichkeiten, von denen ich wünschte, sie wären wirklich selbstverständlich.

Ich weiß nicht, ob Zeitungen und Zeitschriften aussterben werden, ich glaube es nicht und hoffe es auch nicht — ich liebe Zeitungen. Aber man muss schon sehr verblendet sein, wenn man glaubt, dass auch nach der Ankunft eines Mediums, das so viel schneller, vielfältiger, zugänglicher ist, das aufwändige Drucken und Verschicken von Papier die natürliche, die dominante Form der Informationsvermittlung bleiben wird.

Es ging mir (und ich nehme an: uns) nicht zuletzt um eine Haltung. Um die Forderung an die Verleger, Lobbyisten, Politiker, zu sehen, wie anders das Internet ist und was es alles verändert, und sich darauf ernsthaft einzulassen. Das klingt furchtbar banal und ist total revolutionär. Und es ging uns darum, ein paar Pflöcke einzuschlagen (ein paar zentrale Eckpfeiler sozusagen, jaha), nein: Markierungen, an denen wir sagen: Hier geht es nicht weiter. Wir können nicht ernsthaft darüber diskutieren, dass man Menschen als Bestrafung für Urheberrechtsverletzungen das Recht entziehen will, online zu gehen, wir können nicht ernsthaft darüber diskutieren, dass Links und Zitate genehmigungs- oder kostenpflichtig sein müssen, und so weiter.