Postmodernes Lesen?

Im Nachgang zu meiner Kritik von Nicholas Carr's neuem Buch auf NZZ Online hat mir Sandboxer Jonas von der Heyden eine Seminararbeit über "Literale Nichtlinearität" zugeschickt. Ein paar Auszüge:

"Bezogen auf das Lesen hieße [Nichtlinearität], dass sich die durch Autopoiesis aufrecht erhaltene Kommunikation zwischen Schrift und Leser beim nichtlinearen Lesen durch störende Umwelteinflüsse (Hyperlinks) ständig ändert, es jedoch Wege gefunden werden, um diese Änderungen als Fortsetzung derselben Kommunikation bezeichnen und beschreiben zu können. Anders als beim - wohl nur theoretisch existierendem - linearen Lesen wird hier auf Umweltstörungen produktiv reagiert - man lässt sich vom Hyperlink weiterleiten, sorgt aber dafür, dass der neue Inhalt neue Anschlussoperationen ermöglicht und die Informationen irgendwie im Kontext der bisherigen Kommunikation interpretiert werden können [...]."

"Das Lager der "postmodernen Digitalen" [...] propagiert nicht-lineares Denken, welches das Verknüpfen von Denkpunkten in den Vordergrund stellt, zur Selbstreflexion und Flexibilisierung des eigenen Standpunktes anregt und eine nicht an Hierarchien und Autoritäten geknüpfte Vorgehensweise priorisiert. Sie sind zumeist nicht im konservativen Wertekanon verankert und sehen das Internet als eine Bereicherung für die Informationsbeschaffung und -distribution."

"Durch nichtlineares Lesen wird den Anforderungen der nächsten Gesellschaft an die Informationsbewältigungskapazitäten Rechnung getragen, indem man sich bewusst oder unbewusst der prinzipiellen Kontextabhängigkeit jeder Information stellt. Es gibt keine hinreichend und temporal langfristig sicheren Informationen. Deshalb kommt es auch nicht darauf an, einen bestimmten Literaturkanon möglichst gut zu kennen, sondern eher flexibel zu bleiben und Mittel und Wege zu finden, wie man sich unter Berücksichtigung und im Austausch mit der Umwelt, also vielen Texten von heterogenen Quellen weiterentwickeln kann, dabei aber die Änderungen irgendwie als Fortsetzung desselben verkaufen kann. Der Sinnüberschuss, der nicht mehr durch Teleologie oder Überprüfung auf Funktionalität bewältigt werden kann, wird nun einfach akzeptiert und gerade dadurch gemeistert, weil man durch die Einsicht in die Überforderung zum Bemerken und zur Akzeptanz von Anschlussoperationen hin sensibilisiert wird."