Westalgie statt Stolz

Hervorragender Artikel von Eric Gujer über Deutschlands momentane Befindlichkeit in der NZZ:

Stolz wird man nicht finden. Viele Wähler reagieren gereizt auf die neue Unübersichtlichkeit des vereinigten Deutschland. In der Westalgie manifestiert sich der Wunsch, zu den geordneteren Verhältnissen der Bundesrepublik vor 1989 und zum gezähmten rheinischen Kapitalismus zurückzukehren. Die Ostdeutschen müssen konstatieren, dass sich ihre Erwartungen in die völlige Angleichung der Lebensverhältnisse nicht erfüllen. Die Parteien kämpfen mit einem Vertrauensschwund, in dem sich eine Abwehrreaktion gegen diese zunehmende Heterogenität manifestiert. Die deutsche Politik ist nach wie vor stabil, aber die gesellschaftliche Grundlage dieser Stabilität wird fragiler.